Samstag, 8. Mai 2010

eine auto-kontrast-funktion fürs rl bitte

ich muss jetzt mal hier ein bisschen meine eindrücke ordnen.
da waren mal de phazz im porgy&bess. das letzte mal hab ich die band aus heidelberg vor gut 7 jahren am frequency gesehn, als es noch in salzburg war. damals war ich so richtig begeistert von ihnen. und wenn besuch zum essen kommt und ich mal einen auf erwachsen machen möchte, lass ich im hintergrund immernoch ganz gerne mal eine de phazz scheibe laufen.
anlässlich meines geburtstags vor 2 wochen hat mich mein bruder zu erwähntem konzert eingeladen. eingeladen ist immer fein. und wenn die geburtstage so langsam von jahr zu jahr immer stärker das bittere aroma des alterns annehmen, ist es umso besser inmitten einer menschenansammlung zu stehen, deren alterdurchschnitt man um gut 15 jahre senkt. was dieser altersdurchschnitt über das konzert aussagt ist allerdings etwas heikler.
ohne frage waren die musiker gut und die sänger sehr gut und die musik schön. trotzdem kann ich nciht umhin, diesen feststellungen jeweils ein "eh" umzuhängen. vielleicht bin ich diese musik ohne essen und tischkonversation einfach nicht mehr gewohnt.
vom porgy dann gleich weiter zum klub 3, ein wenig zu elektronischen rhythmen rumwackeln. fühlt sich gleich um einiges altersgemäßer an. oder liegt das nur am anderen setting.
wie wär das jetzt, wenn ich de phazz volle lautstärke in einem dunklen raum mit diskokugel hören würde, rings um mich junge wackelnde leute mit mojitos und zigarette in der hand?
vielleicht war ja nur dieser prinz valium der im porgy vor mir gestanden ist schuld daran, dass ich mich nicht so recht begeistern konnte. vielleicht hat seine tante-irmgards-buchhalter-ausstrahlung den funken abgefangen, der von der bühne auf mich überspringen wollte.
weniger als 24 stunden später dann die eröffnung des ersten wiener popfests. clara luzia. schöne, ruhige, akkustische musik, die sängerin gesundheitlich leicht angeschlagen, das wetter gnädig.
und dann - bunny lake. plötzlich wirds finster. und laut. und das publikum ist anders. und die kirche, die gerade noch dem karl gehörte, ist plötzlich the church of bunny lake. öha.
auf der bühne - herrlich exponierte rockstar-attitüde. glitzer-kleidchen, oberlippen-bärtchen.
irgendwer hat mir die kontraste zu hoch eingestellt, kommt mir vor. ich verliere zunehmend die orientierungspunkte.
nächste unerwartete wendung - ein obdachloser hat sich seinen weg in die erste reihe gebahnt, starrt fassungslos auf das, was da auf dieser seebühne passiert. dann gefällt es ihm und er ist konvertierter bunny lake-fan. im nächsten moment setzt er sich und hat nasse augen. ist er deprimiert? ist er gerührt? überwältigt? hat im der aufkommende wind was in die augen geweht? wir werden es nie erfahren.
und ich? finde ich diese gegenüberstellung von pop-dekadenz und obdachlosigkeit verstörend? oder finde ich es gut, dass das pop-fest, das dem namen nach populärkultur, also volkskultur zelebriert, nicht nur für das privilegierte volk da ist, sondern einen obdachlosen zum auftritt von bunny lake weinen lässt? (ich denke es war geweint...)
ich weiß es nicht. zu hoher kontrast. ich kann meinen standpunkt noch nicht so recht ausmachen. mach mal jemand bitte eine auto-kontrast funktion fürs real life.

1 Kommentar:

  1. Fabian Weiss23.06.10, 18:54

    Ich muss zu diesem Artikel einfach nur WOW schreiben ! Durch meinen Zivildienst habe ich auch die "andere" Seite kennen gelernt, die der "nicht versichteren in Österreich"! Finde ich beeindruckend das dir das mit dem obdachlosen aufgefallen ist! Ich finden den Artikel wirklich sehr gut geschrieben (ja ich habe sogar soweit runter gescrollt bis zu diesem Artikel!) und freue mich auf weitere Artikel von dir! Lg Fabian

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