Samstag, 22. Januar 2011

sturm

gestern abend war der brief an meinen nachbarn noch da.

heute morgen, so gegen sieben (wie immer), wurde ich dann vom nachbarlichen auf-irgendetwas-einhämmern geweckt und wenige minuten später hörte ich auch schon, wie herr O. durch das haus polterte und sämtliche gangfenster aufriss.

als ich kurz später aus meiner wohnungstür lugte - siehe da! - der brief weg und das fenster geschlossen! was für ein triumph!

allerdings bin ich irritiert, denn das ist in keinster weise die reaktion, mit der ich gerechnet hatte. eingestellt war ich darauf, dass der brief in tausend teile zerfetzt auf unserer türmatte liegen würde, als zeichen nachbarlicher geringschätzung. oder, dass herr O. wutentbrannt sturmläuten würde, auf schnaubender suche nach konfrontation.

aber nichts dergleichen geschah. selbst stunden später, als ich das haus heute verließ, war das fenster noch zu. wie soll ich das verstehen? geben sie sich tatsächlich schon geschlagen? wars das? habe ich sie mit meinen worten niedergemäht? war das alles nur eine neuauflage des britisch-sansibarischen krieges, der nur 38 minuten dauerte?

oder holen sie nur aus zum gegenschlag? sammeln sie etwa ihre kräfte, um vergeltung zu üben für diese unglaubliche beleidung ihrer hoheit als eigentümer?

ist das die ruhe vor dem sturm? oder war alles nur ein sturm im wasserglas?

sollten sie zum erneuten angriff ansetzen, werde ich auf jeden fall darauf gefasst sein. ich halte meine deckung oben. der feind schläft nicht. (jedenfalls nie länger als bis halb sieben)

Freitag, 21. Januar 2011

schluss mit freundlich

als kind vom land, aufgewachsen in einem einfamilienhaus, muss man sich am anfang mal an das leben in einer wiener wohnung gewöhnen. auf einmal ist man oben, unten, links, rechts umgeben von fremden leuten, die von freundlich-zivilisiert bis "hier wohnt blut-bruno" die gesamte pallette abdecken können. man kann nicht mehr rumtrampeln oder nächtlichen gelüsten nach dolby surround herr-der-ringe-marathons nachkommen. auf einmal stehen hausordnungen und ruhezeiten auf dem plan.
da in dem haus, wo ich seit einiger zeit wohne, die wände leider so dünn sind, dass mich die nächtlichen struller-geräusche meines nachbarns aufwecken, ist das zusammenleben hier noch etwas schieriger. ich bin mittlerweile darauf konditioniert, ab schlag 22 uhr meinen gang auf tiptoeing umzustellen, meine stimme zu senken und den wasserhahn in der küche nicht mehr aufzudrehen, da die leitungen so laut sind. dieses zugegebenermaßen übermäßig devote verhalten fällt mir einfach immernoch leichter, als ein kleinkrieg um kleinkram mit kleinkarierten leuten.
zumindest bisher war es so. aber jetzt ist schluss. das herumschleichen und flüstern kann ich ertragen, dass ich dafür jeden tag morgens um halb sieben davon geweckt werde, dass die nachbarn über mir - ich nenne sie ab hier der einfachheit halber nur die O.s - mit irgendetwas auf irgendetwas anderes einhämmern, nervt ziemlich, nehm ich aber auch noch in kauf. dass frau O. 2-3x die woche sämtliche textilien die sich in ihrem besitz befinden aus ihrem fenster ausklopft und mir damit den staub in die wohnung klopft, wenn ich mein fenster gekippt lasse, ist vor allem im sommer lästig, ist aber auch seit jahren teil meines mieter-alltags.
was nun allerdings mein fass - von dem man bisher hätte glauben können, es habe keinen boden - zum überlaufen gebracht hat, ist das fenster am gang.
die O.s laufen in regelmäßigen zeitabständen durchs haus und reißen sämtliche gangfenster auf. warum sie das tun? ein rätsel. im sommer ist mir das auch jacke wie hose, aber im winter nicht. jedes offene fenster sabotiert das prinzip hauszentralheizung, die wir alle gemeinsam zahlen. und wenn ich dann auch ein post-it mit der unartikulierten botschaft: "Fenster offen lassen!!" an meiner tür finde, sehe ich mich gezwungen zwischen der zeile zu lesen und dies als dezidierte aufforderung zum krieg zu interpretieren.
ich habe "the art of war" noch nicht gelesen, aber ich weiß, dass ich mich nicht planlos in die schlacht werfen sollte. hier also der plan einer feldherrin, die bisher pazifistin war und von krieg so viel versteht wie ein nashorn von außenpolitik:
1. ich führe die von O. begonnene korrespondenz weiter, mit einem brief, den ich am Gangfenster anbringe.
wenn das nichts bringt, und davon gehe ich aus, versuche ich
2. andere parteien des hauses zu mobilisieren, die ebenfalls unter O.s Tyrannei geknechtet werden.
sollte der feind immernoch nicht den rückzug antreten, wende ich mich an eine großmacht -
3. die hausverwaltung, in der hoffnung, dass es die zumindest irgendwie juckt, wenn jemand ständig die fenster eines hauses aufreißt, dessen isolierung erst letztes jahr kostspielig erneuert wurde.
der letzte schritt ist einer, den ich hoffentlich nicht gehen muss. das wäre dann
4. der anwalt.

hier also mal schritt 1, der brief (abgetippt):

Herr O., Wien, am 21.01.2010
ebenso wie im 1. Stock bestimmen auch die Bewohner des 2. Stockes selbst, ob das Fenster geöffnet oder geschlossen wird.
Falls Sie dies weiterhin stur ignorieren, werden wir der Hausverwaltung mitteilen, dass Sie Heizkosten verschwenden, die a l l e zusammen tragen (ja, auch wir nichtswürdigen Mieter!).
In weiterer Instanz können wir auch unseren Anwalt einschalten, da Sie uns erhöhte Heizkosten verursachen.
Dieser Brief wäre freundlicher verfasst, wenn Ihre Briefachen an unserer Tür es auch wären.
In diesem Sinne - lassen Sie das Fenster bitte geschlossen.
P.S.: Sie selbst sind die lautesten Bewohner dieses Hauses. Dies Meinung sind nicht nur wir. Nur damit Sie's wissen.



Dienstag, 18. Januar 2011

das feedback knäuel

die klassische feedback-schleife funktioniert einigermaßen geradlinig. der sender sendet ein signal, ein empfänger empfängt das signal und interpretiert es, auf actio folgt reactio, der empfänger sender ein signal zurück - ping - pong - senden, empfangen, interpretieren.
hier mein problem:
wenn ich eine person halbwegs kenne und mich längere zeit mit ihr unterhalte, dann bleibt die feedback schleife überschaubar und lässt sich für mich so rumpeldipumpel bewältigen.
werde ich allerdings mit mehreren personen konfrontiert, die ich dann noch kaum kenne und mit denen ich selten mehr als 2 sätze am stück austausche, wird aus der schönen schleife leider ein verknotetes, wirres feedback-knäuel.



meine fähigkeit, die zeichen meiner kommunikationspartner zu deuten, tendiert dann richtung asperger-syndrom.
so kommt es, dass ich umso angespannter werde, je seltener ich eine person treffe, denn während des kommunikationsaktes versuche ich permanent fieberhaft die mimik und gestik meines gegenübers zu entziffern. bin ich zu aufdringlich? zu distanziert? rede ich zu viel? bin ich zu einsilbig? sind wir freunde? bekannte? mögen wir uns überhaupt? genießt er/sie die unterhaltung? ist das überhaupt eine unterhaltung? oder smalltalk?
ich glaube, jeder mensch spricht eine eigene sprache, und im umgang miteinander muss man zugunsten einer funktionierenden kommunikation die sprache des gegenübers als fremdsprache lernen et vice versa. wenn ich dann aber da mehrere fremdsprachen habe, und von allen kann ich grad mal 2 sätze, und ich komme auch nur alle heiligen zeiten mal dazu, sie anzuwenden, dann kann da ja nur kauderwelsch rauskommen.
wie mit polnisch. in polen war ich mal eine woche. da hab ich ein paar sachen gelernt - wie ich mich bedanke, mich entschuldige, nach dem preis frage, fluche. jetzt kann ich nur noch fluchen.

Mittwoch, 12. Januar 2011

dinge die mich bei konzerten ganz furchtbar nerven, teil 4

heute: die wandersleut'

dass man während eines konzerts mal losziehn muss, um sich ein neues bier zu holen oder weil man mal aufs klo muss, ist verständlich, nachvollziehbar und verzeihlich.
es gibt allerdings immer auch die leute, die während des gesamten konzerts nichts anderes tun, als rumlaufen. sie scheinen immer auf der suche nach etwas oder nach jemandem zu sein, wie ruhelosen seelen auf einem nächtlichen friedhof, mit dem einzigen unterschied, dass herumwandernde seelen niemanden stören würden.
besonders während open air konzerten sind viele von diesen leuten unterwegs.

und diese wandersleut wollen nicht nur kurz mal ein bier holen oder nur mal von a nach b marschieren. die drehen den ganzen abend lang ihr runden.
aber es gibt schlimmeres.
zum beispiel die wandersleut, die im rudel auftreten.
oft marschiert einer los, und ein anderer lässt sich von der wanderslust anstecken und marschiert hinterher, ganz knapp an ihm dran, sodass sich die geteilte menschenmenge nicht schnell genug wieder schließen kann. das passiert ein paar mal hintereinander, bis eine ganze congaschlange von wanderern sich ihren weg durch das publikum bahnt.


es gäbe noch viel mehr dinge, die mich bei konzerten ganz furchtbar nerven. zum beispiel die, die ohne pause hysterisch kreischen, oder die, die ständig mitklatschen wollen, wie im musikantenstadl, oder die, die wie angewurzelt dastehen und nicht mit der wimper zucken, oder die, die bei jedem lied jedes wort lautstark und überdeutlich mitsingen, als würden sie abgeprüft werden.
aber ich hab keine lust, das auch noch ales zu bebildern. und damit hat meine serie hiermit ein ende.