Dienstag, 23. März 2010

grenzgebiete der würde

letztes wochenende habe ich etwas gemacht, was ich normalerweise strikt ablehne - einen promotionjob. ich habe ihn allerdings angenommen, denn es war promotion für ubisoft, genau genommen für ein neues wii spiel. wer würde denn da nicht zusagen?
das spiel heißt just dance. sinngemäß gehts darin ums tanzen. es hat mir beim ersten mal gleich mörder spaß gemacht und es sind ein paar wirklich gute nummern drauf. also rundherum ein eigentlich tolles setting für den job...nur war der ort meiner promotion ein einkaufszentrum. am wochenende. viele eltern misinterpretierten meine promotion als kindertagesstätte und holten ihre kleinen erst nach ewigkeiten wieder. und da kinder regelrechte redundanz-junkies sind, wollten sie immer und immer und immer wieder die selben 2 lieder tanzen. who let the dogs out und i like to move it.
mein outfit war orientiert an flashdance , da das beste outfit einen preis gewinnen würde.
und während ich da also zwei tage lang je 8 stunden am stück im eighties-look mit einem haufen kinder zu who let the dogs im einkaufszentrum herumhüpfte, dachte ich über die gelegenheitsjobs nach, die ich so in meinem bisherigen leben gemacht hatte. dieser hier war der körperlich anstrengendste. der für den tiergarten schönbrunn war der best-bezahlte. flyern für die jeunesse war das ödeste. callcenteragent für die klassenlotterie war wohl das unmoralischste...
aber das mit abstand dümmste, peinlichste, würdeloseste war etwas anderes- eine klassische sängerin gab ein konzert, dem sie event-charakter verleihen wollte. eine ihrer ideen, um das zu erreichen, war, ein paar animateurinnen anzustellen, die das publikum bei laune halten sollten, wenn gerade nicht gesungen wurde. die animateurinnen sollten in der gestalt von kichernden feen und verspielten katzen auftreten. ich war eine katze.
und ich w a r eine katze. zumindest in den augen des publikums. sie graulten meinen kopf, während sie sich miteinander unterhielten, sie warfen mir ein kleines bällchen, in der freudigen erwartung, dass ich es ihnen zurückbringen würde... es war alles sehr entwürdigend und erniedrigend...aber es war noch nicht der höhepunkt.
dieser ereignete sich in der pause, als ich neben dem buffet mi meinen katzen- unf feenkolleginnen plauderte, und einem älteren herren am buffet freundlich zulächelte. dieses lächeln kam irgendwie falsch bei ihm an.. er hielt es wohl für einen hungrigen blick oder für ein betteln...ganz gleich wie er mein lächeln verstand, er fühlte sich jedenfalls plötzlich dazu veranlasst, mir die abgenagten knochen seiner hühnchenkeule anzubieten. ich schaute schockiert, aber er dachte wohl ich freue mich ungemein über dieses noble angebot, denn er holte schon aus und hätte mich wohl tatsächlich mit seinen essensresten beworfen, hätte seine geistesanwesende ehefrau ihn nicht davon abgehalten.
danke dafür nochmal, du unbekannte fremde, du grenzpatrouille meiner würde, deren letzten quadratmeter du an jenem abend gerettet hast.

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